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Eine Bereicherung für's Leben Marek Spitczok von Brisinski

Ich ging einen langen Flur einer fremden Schule entlang, viele Türen zu den Klassenzimmern standen offen, Kinder und Jugendliche darin. Zu einem dieser Räume brachten mich meine Eltern, in einen anderen meine jüngere Schwester. Ich setzte mich schüchtern auf einen Stuhl an einen Tisch und hörte meiner neuen Lehrerin, Frau Crowdy, zu – in meiner Muttersprache. Alles war sehr ungewohnt, sehr neu, ich war nervös, so wie es an einem ersten Schultag eben ist. Und doch anders, denn ich kam 1980 in die achte Klasse, mit 13 Jahren. Ein Samstagmorgen, einer von vielen in den nächsten Jahren in der Friedrich Schiller Sprachschule, in Mississauga, Ontario, am Rande von Kanadas größter Stadt, Toronto.

Neben meiner alltäglichen englischsprachigen Schule wurde diese meine zweite, die Samstags-, die "deutsche Schule" wie wir sie alle nannten. Ich fand Freunde, die ich jede Woche sah, und vertiefte mich in Sprache, Grammatik, Literatur und Kultur eines Landes, dass ich mit drei Jahren verlassen hatte und daher kaum kannte. Meine Eltern waren Anfang der '70er Jahre ausgewandert, hatten Aufgrund ihrer handwerklichen Ausbildungen als Konditormeister und Blumenbindemeisterin gute Arbeit gefunden und wollten auch nicht mehr "zurück". Zu hause sprachen wir Deutsch, das über die Jahre mit immer mehr englischen Wörtern und Halbsätzen gespickt war. Alltägliche Anglizismen, englische Redewendungen, die sich einschlichen einfach aus der überwiegenden Gewohnheit, außerhalb des Hauses vollständig in einer englischsprachigen Welt zu leben.

Mit dem Eintritt in die Schiller Schule ändert sich vieles. Die Anglizismen zu Hause blieben zwar, doch wurde der Kontakt zu dem entfernten Ursprungsland so viel näher, sprachlich und kulturell. Frau Christa Guschewski, Gründerin und Leiterin der Schule, war eine stete Präsenz. Großgewachsen, mit weißen Haaren begrüßte sie morgens Kinder und Eltern und kümmerte sich zusammen mit ihrer Tochter Christine um die vielen organisatorischen Abläufe der Schule. Mit ihrem großem Engagement und natürlichen Autorität wachte sie über die Qualität der Schule, so kam es mir vor. Sie besuchte gelegentlich unsere Klassen und manchmal, in fast privaten Momenten, erzählte sie auch mal von ihren Erlebnissen im Deutschland der Vorkriegs- und Kriegszeit. Frau Guschewski und die Schiller Sprachschule waren unzertrennlich.

Der Unterricht fiel den Kindern und Jugendlichen unterschiedlich leicht oder schwer. Manche hatten ihre Kindheit in Deutschland verbracht, andere waren in Kanada geboren mit einem deutschen Elternteil. Durch Grammatikübungen, Gedichte, Texte und Romane lernten wir Lesen, Schreiben und auf Deutsch vortragen und präsentieren. Hinzu kamen Schulfeste, bei denen die Klassen kleine Aufführungen darboten. In den Theaterszenen war ich besonders begeistert dabei. Auch der jährliche Adventsbasar zu dieser urdeutschen Tradition war ein großes Ereignis. Unsere Mütter flochten Adventskränze, und es gab typisch deutsche Leckereien. Alle Erlöse kamen der Schule zugute.

Vom Unterricht erinnere ich mich noch ganz besonders an Wilhelm Tell. Die auch in Kanada sehr bekannte Szene von dem Vater, der den Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen musste, bekam einen Kontext, der mein Weltbild erweiterte. Die soziale und politische Lage des europäischen Mittelalters, Schillers künstlerisch literarische Bearbeitung dieser Sage über den individuellen Widerstand Tells gegen Tyrannei sowie kulturelle Entwicklungen, politische und soziale Umwälzungen im 18. und 19. Jahrhundert wurden erfasst. Alle diese vielen Themen wurden über die Wochen zusammen mit der Textlektüre vermittelt und diskutiert.

In den höheren Stufen wurde der Unterricht ernster, einige von uns bereiteten uns auf das deutsche Sprachdiplom vor, dass uns einen Zugang zum Studium in Deutschland erleichtern würde. Als ich mit Anfang 20 nach Berlin zog, war das bei mir dann tatsächlich so. Die Behörden hatten zwar große Schwierigkeiten, meinen Schulabschluss aus Kanada anzuerkennen, die sprachlichen Voraussetzungen jedoch wurden sofort durch das Sprachdiplom der Bundesregierung anerkannt. Das Studium der Soziologie mit seinen theoretischen Texten forderte mich erneut, mich sprachlich weiterzuentwickeln, auch beim Schreiben. Als er mir eine Hausarbeit im ersten Semester zurückreichte, sagte der Professor: "Sie sind nicht von hier, oder?" Inzwischen fällt es nicht mehr auf (hoffe ich!) dass ich wesentlich mehr Zeit in kanadischen Schulen verbrachte als in "der deutschen Schule".

Seit 22 Jahren wohne ich nun in Berlin, meiner Geburtsstadt, und fühle mich immer mehr als Berliner. Nach Ausflügen in sehr unterschiedliche Arbeitswelten habe ich seit einigen Jahren zwei Berufe: bei einem Träger der Jugendhilfe als Traumaberater und Therapeut für Jungen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, und freiberuflich als Trainer für Fortbildungen, Coach und Therapeut. Und mir ist aufgefallen, dass in Deutschland immer mehr Anglizismen auftreten, wie auch zwei der obengenannten Tätigkeiten verraten. In "meetings" wird selbstverständlich über "die corporate identity" und "das marketing" sinniert. Beim Fernsehen wird "gezappt", beim Sprechen und Denken wird hin- und her-ge-"switched", es gibt "car sharing", "anti-aging Cremes" oder das allpräsente "Handy", was auf Englisch nichts weiter bedeutet als "handlich", was es ja auch ist. Jugendliche "chillen", "relaxen" und finden "open airs" einfach "nice". Darüber kann ich mal schmunzeln, bin manchmal verwundert und bevorzuge ganz bewusst die klaren und gängigen deutschen Begriffe. Frau Guschewski in Kanada hätte bestimmt das passende deutsche Wort parat gehabt, um bei solchen Ausdrucksweisen weiter zu helfen. Der Friedrich Schiller Sprachschule und ihrer jetzigen Leiterin, Christine Guschewski, wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei der Vermittlung von Sprache und Kultur an die heranwachsenden Generationen!

Achievement matters

  • We are currently teaching the second generation of children born in Canada
  • 80% of the children attend from Kindergarten to Grade 12
  • Success rates with Germany's TestDaf (German Examination) A1; A2; DSDI and DSDII for more than 20 years
  • Final exams 1-8
  • Language labs beginning in September 2014
  • Affiliation with the Ministry of Cultural Afairs of Germany
  • Accepted by the German Government
  • We are a Paschschule www.pasch-net.de